Litauen – Land meiner kulinarischen Heimat

Eingetragen bei: Allgemein, Baltikum | 4

Doch vielleicht sollte ich doch erst ein wenig vom Land erzählen, oder dem, was ich bis jetzt sehen durfte, bevor ich mit dem Essen beginne…

Der Flughafen in Vilnius hat gerade eine neue Landebahn bekommen und wurde so auch gerade erst wiedereröffnet. Ganz hübsch übersichtlich, wenn man so aus Frankfurt kommt (gefühlt ist es eher ein Bahnhof, denn ein Flughafen). Abfertigung fand nicht statt, wir sind ja in Europa. Dankbar bin ich für die übersetzten Schilder, die Sprache hat eben einen anderen Ursprung und alles bislang Gelernte will einfach nicht weiterhelfen. Die Touristeninformation ist gleich am Ausgang auf der linken Seite und die Dame spricht bestes Englisch. Meine Zielhaltestelle hatte ich ja bereits zu Hause ausgesucht, so dass ich nurmehr die Nummer des Busses verifizieren musste. Die Haltestelle ist direkt gegenüber und der Bus kommt nach drei Minuten. Ein Euro, die Fahrt. Der Fahrer hingegen spricht reinstes Litauisch und sonst gar nichts. Trotzdem versteht er wohin ich möchte und winkt mich auch an der richtigen Stelle hinaus. Ja, und dann ist er da, der Osten. Klar ist es eine noch bahnhofsnahe und somit, wie in fast allen Städten, nicht allerbeste Gegend. Aber es gibt dieses typische Grau, dass es früher so nur in der ehemaligen DDR zu sehen gab. Halbverfallene oder ¨angefressene¨ Gebäude, in denen wiewohl Menschen leben. Ein, zwei Häuser, die nach russischen Kolchose-Flachbauten aussehen. Ich bekomme leichte Befürchtungen, was das Hotel betrifft… Doch keine drei Querstraßen weiter ändert sich das Straßenbild. Es wird netter, heller, aufgeräumter. Das Hotel (City Hotel Algirdas) ist ein Glücksgriff in mehrfacher Hinsicht. Gut fussläufig zu Altstadt, eine Polizeistation zwei Häuser weiter und ein Supermarkt (Maxima) direkt ums Eck, der bis 24h geöffnet ist.

Ich mache mich auf in die Stadt, die mich mit Sonnenschein begrüßt. Es gibt eine Empfehlung im Netz – die 10 Dinge, die man in Vilnius getan haben sollte – und intuitiv habe ich viel davon gemacht: Im IKI eingekauft, ein Fahrrad gemietet, ein Eis im Park (Bernardinu soda) am Ufer der Vilnia gegessen. Gut, auf den Gedminashügel bin ich nicht gefahren, aber die  Standseilbahn war auch außer Betrieb. Und ich habe mir die lustigen via Oberleitung betriebenen Busse auch nur angeschaut, ohne damit zu fahren. Aber es gibt nicht wirklich gescheite Pläne für die Busse und es war mir zu joker, wo ich dann hinaus käme.

Leidlich abgewrackte Oberleitungsbusse
Gediminas-Berg
Noch mehr Altstadt von Vilnius

 

Hochgotische St. Anna

 

Und zu Fuß klappt die Orientierung wunderbar. Die Stadt (ganz viel Barock bis auf eine hochgotische Kirche) bietet ca. 50 (sic!) Kirchen zur Orientierung und einige markante Spitzen und Türme sind immer zu sehen. Spannend ist die Mixtur: es gibt Plätze, da sind Kirchen vierer Konfessionen fußläufig und in Sichtweise voneinander entfernt (katholische neben einer orthodoxen, einer unierten und einer russisch orthodoxen – auch die evangelische ist nicht weit) und das Tor der Morgenröte ist sozusgen der südliche Einlass zu dem Ganzen. Eine goldene Madonna aus dem 17. Jahrhundert (der Papst war hier und seitdem ist es eine der Pilgerstätten Osteuropas) ist wirklich sehenswert. Der nächste Tag war bedeckt und regnerisch, trotzdem hab ich weiter viel gesehen. Der abenteuerliche Aufstieg auf den Glockenturm ist am erwähnenswertesten. Er birgt ein Fouclault`sches Pendel und gefühlte 300 Stufen (wahrscheinlich sind es keine 150) von denen keine die Höhe oder Neigung der anderen hat. Beim Abstieg bin ich gut die Hälfte rückwärts hinunter gegangen… Aber der Ausblick ist spektakulär.

Blick auf die Altstadt
Blick auf die Altstadt von Vilnius
Noch mehr Altstadt
Die Vilnius-Madonna oder auch Madonna des Tors der Morgenröte

 

Am Abend treffe ich die Reisegruppe (sensationell nett, wie sich im Laufe der nächsten Tage herausstellen soll) und Rimas, unseren wunderbaren Reiseleiter.

Ach so – das Essen: Ich liebe die kalte Rote Beete Suppe, die, wie alles hier, mit saurer Sahne oder Schmand serviert wird. Frühstück, dass zu über die Hälfte aus deftigen Sachen besteht, diese leckeren kleinen Gartengurken, die auf jede erdenkliche Art eingelegt sind (frisch, mit Kräutern und Knoblauch, säuerlich auf verschiedene Arten), Kibinai – die in Blätterteigtaschen eingebackenen kleinen Schweinereien, Cepalinai (sowas wie Gefillte aus dem Saarland), kepta duona (fritiertes Roggenbrot mit Knoblauch) und, und und. Ich sollte vielleicht erwähnen, dass ich an Tag 2 die Markthalle entdeckt habe 🙂

Es ist das Land der Gurken, roten Beete und des Schmand…
Lecker Täschchen

4 Antworten

  1. Jutta Lehmann

    Na Claudi, das hört sich ja ganz toll an!??
    Ja bei ist ist es sehr war, aber auch sehr schwül. Wer weis ob du nocht besser dran bist!
    Vielen Dank für dein Geschenk, habe mich sehr gefreut!
    Mein Fest gestern war wirklich sehr schön. Sehr harmonisch und dafür war das Wettet wirklich toll!
    Weiter eine schöne Reise????

    Bis bald Jutta

    • Hi Jutta, ja, schade, dass ich die Feier verpasst habe – aber tatsächlich hab ich hier eine super Zeit, die ich nicht missen möchte. Wir feiern einfach nach 🙂

  2. Liebe Claudia,
    vielen Dank für diesen sehr lesenswerten Blog. Du kannst es einfach – schreiben. Liest sich toll und, obwohl „der Osten“ jetzt nicht so mein favourite ist, bin ich gespannt auf Deine nächsten Zeilen.
    Viel Vergnügen und Erholung.
    Bisou

Hinterlasse einen Kommentar